MFA und Facharzt im Gespräch

Schnelle Antwort

Eine gut vorbereitete MFA-Gehaltsverhandlung bringt 2026 typisch 5 bis 15 Prozent mehr, also 150 bis 600 € pro Monat. Drei Zeitpunkte funktionieren: nach Probezeit, im Jahresgespräch oder nach abgeschlossener Weiterbildung. Pflicht: Tarif-Daten + regionale Marktwerte mitbringen, konkrete Sätze einüben, schriftlich fixieren.

Wann verhandeln

Drei Zeitpunkte haben in der Praxis die höchste Erfolgsquote:

  1. Nach Probezeit (3 bis 6 Monate). Du hast bewiesen, dass du in die Praxis passt. Die Praxis hat in dich investiert (Einarbeitung, Schulungen) und will dich nicht verlieren.

  2. Im Jahresgespräch. Viele Praxen führen einmal im Jahr Mitarbeitergespräche. Das ist der natürliche Anlass, das Gehalt mitzuverhandeln. Wenn deine Praxis kein Jahresgespräch hat, frage aktiv danach.

  3. Nach abgeschlossener Weiterbildung. VERAH, Hygiene-Beauftragte, Onkologie-MFA, Studien-MFA: Eine Fachweiterbildung qualifiziert dich für die nächste Tätigkeitsgruppe. Das ist ein objektives Kriterium für eine Anpassung.

Vermeide:

  • Direkt vor oder während Urlaub (du wirkst weniger entscheidend)
  • In stressigen Praxis-Phasen (Grippewelle, Personalmangel)
  • Per E-Mail oder zwischen Tür und Angel

So bereitest du dich vor

Daten, die du mitbringst

DatenpunktWo finden
Dein aktuelles Gehalt + TG + StufeLohnabrechnung, Arbeitsvertrag
Tarif-Wert für deine TG und StufeMFA-Tarifvertrag 2026 Tabelle
Regionaler Median für deine StadtBA-Entgeltatlas
Deine ZusatzqualifikationenEigene Aufzeichnungen, Zertifikate
Konkrete Erfolge (z.B. Patienten-Bewertungen mit Namen)Praxis-eigene Daten

Konkretes Ziel definieren

Vage Forderungen scheitern. Definiere drei Werte:

  • Wunsch: das Top-Ergebnis, ehrgeizig (z.B. +15 %)
  • Realistisch: das wahrscheinliche Ergebnis (z.B. +8 %)
  • Schmerzgrenze: unter diesem Wert lehnst du ab (z.B. +3 %)

Mit dieser Skala kannst du auf Gegenangebote reagieren, ohne emotional zu werden.

Probe-Gespräch führen

Nimm dir eine vertrauliche Person (Partner, Freundin, Mentorin) und übe das Gespräch mindestens einmal vorher. Praxis-Inhaber:innen sind in Verhandlungen oft erfahrener als angestellte MFAs. Ein Probe-Gespräch macht den Unterschied zwischen "Ich will mehr Geld" und einem strukturierten 10-Minuten-Pitch.

7 Sätze, die wirklich wirken

Diese Formulierungen sind in der Praxis erprobt. Sie wirken, weil sie konkret sind, auf Daten basieren und eine klare Handlung vorschlagen.

1. Markt-Benchmark einleiten

"Ich habe mir die aktuellen Tarif-Daten und den BA-Entgeltatlas für Düsseldorf angeschaut. Für meine Tätigkeitsgruppe und 5 Berufsjahre liegt der Median bei 3.200 €. Mein aktuelles Gehalt liegt bei 2.900 €. Wie können wir das angleichen?"

2. Weiterbildung quantifizieren

"Ich habe vor sechs Monaten die VERAH-Weiterbildung abgeschlossen. Das qualifiziert mich für Tätigkeitsgruppe III. Im Tarifvertrag bedeutet das ein Plus von 380 € pro Monat. Können wir auf eine Anpassung in dieser Höhe einigen?"

3. Konkreten Mehrwert zeigen

"Im letzten Jahr habe ich die Hygiene-Dokumentation komplett neu aufgesetzt und die Notdienstplanung übernommen. Beide Aufgaben gehören zu Tätigkeitsgruppe IV. Können wir meinen Vertrag entsprechend anpassen?"

4. Stufen-Wechsel ansprechen

"Ich habe jetzt 5 Jahre Berufserfahrung. Tariflich wechsle ich damit von Stufe 1 in Stufe 2. Das bedeutet ein Plus von etwa 145 € pro Monat. Stimmen Sie zu?"

5. Bei Nein konkret werden

"Ich verstehe, dass das jetzt nicht möglich ist. Können wir einen konkreten Folge-Termin in 6 Monaten festlegen, mit klar definierten Kriterien für eine Erhöhung dann?"

6. Schriftliche Fixierung

"Damit wir beide Klarheit haben, lassen wir die neue Vereinbarung schriftlich im Arbeitsvertrag fixieren. Wann können wir das umsetzen?"

7. Bei Untertarif klar bleiben

"Mein aktuelles Gehalt liegt 380 € unter dem Tarifvertrag für meine TG und Stufe. Andere Praxen in unserer Region zahlen Tarif. Ich finde, das sollten wir auch tun."

MFA-Team lacht zusammen
Erfolgreiche Verhandlung führt zu klaren Schriftlich-Vereinbarungen und besserer Stimmung.

Was bei einem Nein passieren sollte

Eine Ablehnung ist keine Sackgasse. Drei Gegenstrategien:

1. Konkrete Begründung einfordern

"Können Sie mir konkret sagen, woran das liegt? Geht es um die Praxis-Wirtschaftlichkeit oder um meine Leistung?"

Eine vage Antwort wie "Wir können uns das gerade nicht leisten" ist oft Verhandlungstaktik. Eine konkrete Begründung wie "Im letzten Quartal hatten wir 12 Prozent weniger Kassenpatienten, die Praxis muss konsolidieren" ist ehrlicher.

2. Folge-Termin vereinbaren

"Lassen Sie uns das in 6 Monaten erneut anschauen, mit klar definierten Kriterien. Was muss in den nächsten 6 Monaten passieren, damit eine Erhöhung möglich wird?"

Ein konkreter Folge-Termin macht das Nein nicht endgültig. Die Praxis verpflichtet sich, das Thema nochmal anzugehen.

3. Alternative Leistungen verhandeln

Wenn Geld nicht möglich ist, gibt es Alternativen:

  • Mehr Urlaubstage (3 bis 5 Tage extra sind oft drin)
  • Bezahlte Weiterbildungen (Kosten + Bildungsurlaub)
  • Job-Ticket oder Fahrtkostenzuschuss
  • Vermögenswirksame Leistungen erhöhen
  • Betriebliche Altersvorsorge-Zuschuss erhöhen
  • Flexiblere Arbeitszeit (Gleitzeit, Home-Office für Verwaltung)

Diese sind oft leichter durchzusetzen als reine Gehalts-Erhöhungen, haben aber ähnlichen wirtschaftlichen Wert.

Häufige Fehler vermeiden

Fehler 1: Sich klein machen

"Ich weiß, ich bin noch nicht so lange dabei, aber..."

Solche Eingangsformulierungen entwerten dein Argument schon vor dem ersten Datenpunkt. Geh selbstbewusst rein. Du leistest ehrliche Arbeit, dafür gibt es einen Markt-Preis.

Fehler 2: Persönlich werden

"Ich brauche das Geld, weil meine Miete gestiegen ist."

Persönliche Bedürfnisse sind keine Verhandlungs-Argumente. Was du brauchst, ist nicht die Verantwortung der Praxis. Argumentiere mit Markt-Werten und deiner Leistung.

Fehler 3: Drohung ohne Plan

"Wenn das nicht klappt, suche ich mir was Neues."

Wenn du das sagst, musst du es auch tun können. Sonst wirkt es als leere Drohung und schwächt deine Position für die nächsten Jahre.

Fehler 4: Keine schriftliche Fixierung

Mündliche Zusagen sind nichts wert, wenn der Praxis-Inhaber morgen vergisst. Bestehe auf einer schriftlichen Anpassung des Arbeitsvertrags innerhalb von 14 Tagen.

Fehler 5: Zu früh aufgeben

Eine erste Ablehnung ist normal. Bleib höflich, aber bleib im Gespräch. Frage nach Begründung, schlage Folge-Termin vor, erkunde Alternativen. Erst nach diesem Weg kannst du entscheiden, ob du wirklich gehst.

Wenn du wechseln willst

Falls die Verhandlung scheitert oder die Praxis dauerhaft unter Tarif bleibt: Der MFA-Bewerber-Markt ist 2026 eng. In Großstädten findest du in 4 bis 8 Wochen eine bessere Stelle.

Auf verifizierten MFA-Stellen über Praxischeck siehst du den Trust Score und Praxis-Profile. Bewerbung in 60 Sekunden ohne Lebenslauf. Verglich mit deinem aktuellen Gehalt: Mit dem MFA-Gehaltsrechner kannst du die regionalen Werte prüfen, bevor du das Gespräch führst.

Skript-Beispiele für 3 Szenarien

Szenario A: Du bist 2 Jahre dabei, Praxis ist tarifgebunden

"Hallo Frau Dr. Müller. Wir hatten letzten Monat das Jahresgespräch, in dem wir noch nicht über das Gehalt gesprochen haben. Ich würde das gerne nachholen. Ich habe jetzt 2 Jahre Erfahrung, bleibe in Tätigkeitsgruppe I, Stufe 1. Mein aktuelles Gehalt entspricht aber dem Stand vor zwei Jahren, also vor der letzten Tarif-Erhöhung. Können wir das auf den aktuellen Tarif von 2.940 € anpassen?"

Wahrscheinlichkeit: hoch. Tarif-Anspruch klar. Praxis weiß, dass sie das anpassen muss.

Szenario B: Du hast Weiterbildung gemacht, Praxis ist nicht tarifgebunden

"Hallo Frau Dr. Schneider. Wie Sie wissen, habe ich vor drei Monaten die VERAH-Weiterbildung abgeschlossen. Das qualifiziert mich für Tätigkeitsgruppe III. Im Tarif würde das ein Gehalt von 3.420 € bedeuten, mein aktuelles ist 3.100 €. Auch wenn wir nicht tarifgebunden sind, würde ich gerne diese Differenz angleichen. Wäre eine Anpassung auf 3.300 € machbar?"

Wahrscheinlichkeit: mittel. Du hast objektives Argument (Weiterbildung), aber du forderst eine kompromissbereite Zwischenlösung (3.300 statt 3.420). Praxis hat Spielraum.

Szenario C: Praxis zahlt deutlich unter Tarif, willst Wechseln vermeiden

"Hallo Herr Dr. Becker. Ich arbeite gerne hier, aber muss ehrlich sein: Mein Gehalt liegt aktuell 380 € unter dem Tarif für meine TG und Stufe. Ich habe in den letzten Wochen mit zwei anderen Praxen gesprochen, die Tarif zahlen. Bevor ich da konkreter werde, würde ich gerne mit Ihnen schauen, ob wir die Lücke schließen können. Was ist Ihre Sicht?"

Wahrscheinlichkeit: hoch wenn Praxis dich behalten will. Klare Marktdaten + Wechsel-Option als sanfte Druck. Funktioniert nur, wenn die Praxis weiß, dass du wirklich Optionen hast.

Quellen

Letzte Aktualisierung: 26. April 2026.